Pflegestreik goes Volksbühne!

Alles begann mit einem Hilferuf der streikenden Pflegekräfte per Video über ihren Twitter-Account @KeineProfite am 30.September. Darin monieren die Streikenden, dass sie sich nun seit drei Wochen in einem Monsterstreik befinden und von der Öffentlichkeit noch weitgehend ignoriert werden. „Wir brauchen jetzt die Berliner Bevölkerung!“, heißt es in dem Video. Wir freuen uns, dass die Volksbühne dem Hilferuf gefolgt ist und die Bewegung zu sich ins Haus eingeladen hat. Wie läuft es in den Verhandlungen? Warum arbeiten Krankenhausbeschäftigte in landeseigenen Unternehmen für Beträge unterhalb der Mindestlohngrenze? Wo sind die Berliner*innen, die im vergangenen Jahr auf den Balkonen solidarisch applaudierten? Gemeinsam wollen wir uns für die Bewegung stark machen.

Beschäftigte der Tochterunternehmen kämpfen in Woche 5 für „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“. Wir waren am Samstag (16.10.2021) mit Delegierten der Berliner Krankenhausbewegung und dem Berliner Bündnis Gesundheit statt Profite in der Volksbühne Berlin zum Pläne schmieden. Zur aktuellen Stunde laufen Verhandlungen mit der Politik+++Reinigungskräfte, Gärtner*innen, Physiotherapeut*innen, Küchenpersonal, Laborangestellte der Vivantes-Krankenhäuser – sie alle arbeiten prekär in den Tochterunternehmen von Vivantes. Unternehmen, die überhaupt nur gegründet wurden, um die Lohnkosten drücken zu können. So kommt es zu Sitautionen, dass im selben Job eine Person arbeitet, die noch einen Vertrag vom Mutterkonzern hat und neben einer Kolleg*in steht, die einen Tochter-Vertrag hat und deshalb bis zu 1300,- EUR weniger bekommt. Viele bekommen nicht einmal Mindestlohn. Sie arbeiten 12 Tage am Stück und machen Überstunden, bis sie umfallen, um überhaupt ihre überteuerte Miete zahlen zu können. Diese Situation wollen die Angestellten nicht länger hinnehmen und haben sich solidarisch und gewerkschaftlich organisiert. Zur aktuellen Stunde wird mit Politik und Unternehmensführung verhandelt. Gleichzeitig wird in der Volksbühne beraten, wie nächste solidarische Schritte aussehen können. Wir fordern solildarisch: TVöD für alle an der Spree! Herzlichen Dank an das Rroma Aether Klub Theater im Grünen Salon der #Volksbühne für die große Hilfe am vergangenen Samstag.

[09.10.2021 Große Demo des Berliner Bündnis Gesundheit statt Profite und der Berliner Krankenhausbewegung: Samstag, 09. Oktober, ab 12.00 Uhr am Hermannplatz! Wir waren gestern zu Besuch beim Delegiertentreffen der streikenden Krankenhausbeschäftigten an ihrem 29. Streiktag.]

Stellt euch vor, ihr arbeitet in einer riesigen Krankenhausküche und die Kolleg*in am Platz neben euch, verdient für den selben Job 900,- EUR mehr als ihr. Ihr entscheidet, gemeinsam zu streiken, denn keine von euch will diesen Zustand akzeptieren. Groß! Wir haben mit Reinigungskräften, Küchenpersonal und Gärtner*innen von Charité, Vivantes und Vivantes-Töchtern gesprochen, die mit Hartz IV aufstocken müssen, obwohl sie Vollzeit arbeiten und zwar in Unternehmen, für die der Berliner Senat verantwortlich zeichnet. Was für eine Schande! Deshalb fordern alle gemeinsam: TVöD für alle an der Spree! Die Beschäftigten werden in jedem Fall noch die ganze kommende Woche streiken: Geht sie doch mal besuchen, kommt mit ihnen ins Gespräch, bringt vielleicht ein warmes Süppchen oder Knabbereien zu den Streikposten, die jeden Tag ab 5.00 Uhr besetzt sind. Wir sehen uns morgen auf der Straße!

[05.10.2021 Pressekonferenz/Volksbühne 11.00 Uhr, Kundgebung parallel ab 11.00 Uhr vor dem Theater mit Livestream, ab 13 Uhr begannt das Hauptprogramm auf der Bühne vor dem Haus mit Special Guests.]

In strömendem Regen harrten die Streikenden vor der Volksbühne aus und verfolgten die Pressekonferenz ihrer Sprecher*innen im Roten Salon live über eine LED-Leinwand. Die Sprecher*innen, Christina Husmann (Reha), Luise Strunk (Hebamme, Vivantes), Sultan Yokologlu (Intensivpflege, Charité), Silvia Habekost (Pflege, Vivantes) und Saskia Potse (Reha/Vivantes) schilderten eindringlich ihre Not auf den jeweiligen Stationen und, dass sie ein Fortdauern der Verhältnisse nicht länger mit ihrem Gewissen vereinbaren können. Sie können im Streik daher auch nicht von ihren Positionen abweichen. Wieviele Tote aufgrund von Unterbesetzung sind okay, wenn doch jedes Leben unersetzlich ist? Isabel Janke erzählte im Roten Salon, wie sie ihre Mutter verlor, nachdem diese aufgrund des Mangels an Pflegepersonal über zwei Wochen an ihr Krankenhausbett fixiert wurde, inklusive mehrer Fluchtversuche. Janke verrät uns nachher im Gespräch: „Es gab auch ein polizeiliches Ermittlungsverfahren zu diesem Fall.“Und es gibt mehr solcher Fälle, viel mehr, viel, viel mehr. Die Streikenden sagen: „Gibt es nicht bald ein Einlenken von Politik und Klinikleitung werden wir unsere gesammelten Berichte veröffentlichen. Dann wissen die Menschen endlich, was wirklich abgeht.“

++Hier seht ihr Silvia Habekost, Krankenpflegerin und stellv. Leiterin der Anästhesie am Vivantes-Klinikum Friedrichshain und außerdem Mitglied der Tarifkommission der streikenden Pflegefachkräfte und Krankenhausbeschäftigten. Sie ist organisiert im Berliner Bündnis Gesundheit statt Profite und Teil der Berliner Krankenhausbewegung.Heute ist ihr Streiktag 24. Mit erhobener Faust steht ihr Ver.di- Tarifsekretär Ivo Garbe zur Seite, seinerseits Verhandlungsleiter bei ver.di in diesem Streik. Mit René Pollesch haben wir am gestrigen Abend besprochen, wie wir als Theater- und Kunstschaffende den Streik ab sofort unterstützen werden.

Auswahl Presse-Links:

Rbb-Abenschau: https://www.rbb-online.de/…/klinikprotest-auch-an-der…

Tagesspiegel: https://www.tagesspiegel.de/…/wir-sind…/27674936.html

Neues deutschland: https://www.nd-aktuell.de/…/1157317.klinikstreik-streik…

B.Z.: https://www.bz-berlin.de/…/volksbuehne-zeigt-sich…

Junge Welt: https://www.jungewelt.de/artikel/411889.theater-zusammen.ht

Taz: https://taz.de/Krankenhausbewegung-in-der-Volksbuehne/!5801536/

Nachtkritik: https://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_content&view=article&id=20029:berliner-volksbuehne-unterstuetzt-pflegestreik&catid=126&Itemid=100089