FAQs

1. Wer seid ihr?

Wir sind das Kunstkollektiv Staub zu Glitzer, ein Zusammenschluss von unter Anderen Kunstschaffenden, Aktivist*innen, Studierenden, Arbeiter*innen und Wissenschaftler*innen, die sich nach der polizeilichen Räumung der Volksbühne am 28. September 2017 zu einem neuen Kollektiv mit altem Namen zusammenfanden.

2. Was ist B6112?

B6112 ist der Titel eines Kunstwerks und wurde vom Kollektiv Staub zu Glitzer gegründet. Unsere transmediale Theaterinszenierung untersucht die Grauzone, die sich an der Schnittstelle zwischen politischem Theater und konkretem gesellschaftlichem Wandel auftut – wie schon durch den ersten Akt der Inszenierung im September 2017 geschehen. Der Titel verweist auf den modernsten amerikanischen Atomwaffentyp. Die Bombe B6112 wird
besonders klein und wendig konzipiert, damit sie leichter eingesetzt werden kann. Der Titel verweist auch auf die globale Aufrüstung, der wir uns entschieden entgegenstellen.

3. Was ist eine transmediale Theaterinszenierung?

Es ist ein lebendes, organisches und soziales Gesamtkunstwerk, das ein konkretes Ziel verfolgt. Eine transmediale Inszenierung zeichnet sich durch die Gleichberechtigung von fiktionalen und realen Elementen aus. Anstatt einer linearen Handlung, befinden wir uns in einem Geschichtenuniversum, in das es zahlreiche Einstrittpunkte gibt (Rabbit Holes). Das Geschichtenuniversum lebt von der Kreativität und Interaktion der Erlebenden, die sich aktiv
oder passiv beteiligen können. Jede mediale Äußerung mit Bezug zu B6112 ist ein eigenständiger Erzählstrang, bzw. gehört zu einer Binnenerzählung innerhalb der Gesamtinszenierung. So ist jeder Tweet, jeder Zeitungsartikel, jede mündliche Äußerung mit Bezug zu B6612, teil desselben.

4. Was sind eure politischen Grundsätze?

Unsere Leitideen sind der Feminismus, Antirassismus und die Forderung nach gleichwertigen Lebensverhältnissen für alle Menschen dieser Welt. Eine neoliberale Wirtschaftspolitik lehnen wir ab. Konkurrenz und Wettbewerb wollen wir ersetzt sehen durch kollektive Schönheit.

5. Welches Ziel verfolgt B6112? Wozu das Ganze?

In einem Zeitraum von zwei Jahren soll innerhalb dieses Gesamtkunstwerks, also bei laufendem Betrieb, ein neues Stadttheaterkonzept entwickelt werden: eine langfristige kollektive Struktur für das Haus. B6112 fungiert als organisches Kunstwerk. Wie das Kunstwerk schließlich aussieht, liegt an euch, an uns allen. Es liegt an euch, uns allen dieses Haus zu bespielen: Theater, Literatur, Philosophie, Fotografie, bildende Künste, Musik, Performance, Tanz – zeigt, was ihr könnt.

6. Was habt ihr gegen die gegenwärtige Situation an der Volksbühne?

Die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz steht in einer 100-jährigen politischen Tradition. Sie wurde von Arbeiter*innen gegründet und finanziert, um für ein nicht-elitäres Publikum Theater zu machen. Ein neoliberales Kunst-Management werden wir unter keinen Umständen akzeptieren. Aktuell unterliegen sowohl die Künstler*innen als auch die Mitarbeiterschaft des Hauses dem kapitalistischen Finanzierungsdruck. Wir wollen das Theater diesem entreißen und es wieder zu einem bunten, politischen Ort machen. Wir schlagen ein neues, experimentelles Konzept für dieses Haus vor, bei dem die heterogene Bevölkerung dieser Stadt wieder im Vordergrund steht.

7. Wie stellt ihr euch die Volksbühne vor?

In Absprache mit der Mitarbeiterschaft der Volksbühne wollen wir zunächst Hierarchien abbauen und eine Frauenquote umsetzen. Eine Wohnungslosenvertretung wird aufgebaut. Die politische freie Kunst-Szene darf sich austoben und auch Zugang zur großen Bühne, zu hochwertiger Technik bekommen. Ein Hackerspace wird entstehen. Auf Cryptopartys kann ein möglichst sicherer und emanzipatorischer Umgang mit dem Internet erlernt werden. Ein Vernetzungszentrum für politische Miet- und Stadt- Initiativen wird aufgebaut. Neben der Kunst geht es auch um den realen politischen Kampf gegen den Neoliberalismus, gegen Verdrängung, gegen den Ausverkauf der Stadt.

8. Wie funktioniert das Kollektiv?

Das Kollektiv arbeitet in Arbeitsgruppen, deren Delegierte einander über Arbeitsstände informieren. Wir veranschlagen eine Frauenquote von 50% für alle Gremien und achten auf quotierte Redelisten. Es gilt Instrumente zu entwickeln, die umfängliche Barrierefreiheit garantieren und Altersdiskriminierung verhindern. Die Voraussetzung für einen Platz im Kollektiv ist die Mitgliedschaft in einer AG und die aktive Beteiligung an den verschiedenen
Arbeitsdiensten im Haus. Die drei Strukturebenen des Kollektivs bilden sich aus dem Plenum, den AGs und den Delegierten. Mehr Informationen bietet euch das Infoblatt „Arbeitsgruppenstruktur“.

9. Gibt es Regeln für das Zusammenarbeiten?

Ja. Sowohl für den verantwortungsbewussten Umgang mit diesem denkmalgeschützten Gebäude als auch für das menschliche Miteinander gibt es Hausregeln. Unser Security-Team und unser Awareness-Team achten auf die Umsetzung der Regeln und sind berechtigt ein Hausverbot auszusprechen. Wir lehnen jegliche Gewalt ab – verbale, körperliche und strukturelle. Wir sind ein friedliches Kollektiv, das ein Mit- und Füreinander lebt. Genauere
Informationen findet ihr auf den Informationsblättern zu den Hausregeln und der Awareness-Arbeit.