Kollektiv & Spaltung

Staub zu Glitzer arbeitet seit nunmehr 3 1/2 Jahren an der Inszenierung B6112.
Mit Eröffnung der Inszenierung in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz gaben wir bekannt, das Kollektiv mit sofortiger Wirkung aufzulösen, um Hierarchien in den Prozessen an der Bühne zu verhindern und ein Kollektiv von Gleichberechtigten zu ermöglichen. Die Akteur*innen unseres Kollektivs haben die Prozesse im Haus umfänglich begleitet, Arbeitsgruppen initiiert und geleitet und haben den Verlauf der Inszenierung maßgeblich geprägt.

Nachdem B6112 die Bühne verlassen musste, fand sich Staub zu Glitzer unter altem Namen in neuer Konstellation zusammen. Seit der Inszenierung an der Volksbühne hat sich das Kollektiv um eine Vielzahl von Mitgliedern erweitert, während andere die Gruppe verlassen haben. Staub zu Glitzer versteht sich damals wie heute als Enabler-Kollektiv. Als solches stehen wir in Kooperation mit den vielen Kunstschaffenden und Politinitiativen, die B6112 inhaltlich füllen.

Wir sind Urhebende der Transmedialen Inszenierung “B6112”. Wir streben nicht an Teil der eventuellen kollektiven Intendanz zu werden. Diese muss, wie bereits erwähnt, in einem kollektiven und partizipativen Prozess konzeptualisiert, erarbeitet und umgesetzt werden.

Zur Spaltung des Kollektivs

Zwischen Staub zu Glitzer und einer Guppierung aus der sich später das NIE-Kollektiv bildete gab es Differenzen über Prinzipien und Prämissen der gemeinsamen Arbeit. Grundsätze der feministischen, antirassistischen und antifaschistischen aber auch der künstlerichen und  transmedialen Arbeitsweise wurden in Zweifel gezogen. Doch dies war nicht allein Grund für die Spaltung. Am 29. April 2018 wurde durch das NIE-Kollektiv ein offener Brief an Bürgermeister Müller veröffentlicht. Dies geschah ohne Rücksprache mit dem gesamten Kollektiv und dennoch in unser aller Namen.
Wir sahen uns anschließend gezwungen eine Gegendarstellung zu veröffentlichen.

Während das NIE Kollektiv nun selbst Repertoire-Stücke produziert und in dem offenen Brief auch Teile der Volksbühne, z.B. den Prater, für die Verwirklichung ihrer persönlichen Theaterideen beanspruchte, entwarf Staub zu Glitzer ein Konzept, das alle Interessierten der linken kulturellen und subkulturellen Szene Berlins einbezieht.
Inzwischen musste das NIE Kollektiv seine Räumlichkeiten im Keller-Club verlassen und ist somit selbst Opfer eines fortschreitenden Verdrängungsprozesses von Freiräumen geworden. Verdrängungsprozesse, die immer auch Antrieb unserer Arbeit waren.
Staub zu Glitzer ist ein feministisches, antirassistisches und antikapitalistisches Künstler*innen-Kollektiv, das im Zeichen von Widerstand, Vernetzung und Solidarität arbeitet.
Staub zu Glitzer agiert unverändert als Enabler-Kollektiv, als Organisator*innen, als Verbindung zwischen linken bzw. linksradikalen künstlerischen und politischen Gruppen, der Stadtgesellschaft und dem Theaterhaus selbst. In diesem Sinne organisierten wir am 6. Juli 2019 einen alternativen Volksbühnen-Gipfel im Mensch Meier, der das große Interesse an der Causa Volksbühne im Zusammenhang mit anderen stadtpolitischen Debatten erneut verdeutlichte. Das Desinteresse der aktuellen Intendanz der Volksbühne sowie vieler dort beschäftigter Künstler*innen hingegen ist beschämend. Wir freuen uns deshalb darauf, mit euch und allen Interessierten ganz bald in die Planung des zweiten Alternativen Volksbühnen-Gipfels einzusteigen.

 

Spaltung am 30.April.2018:30.April.2018