Mitarbeiter*innen

 

Im Juni 2016 wendeten sich die Mitarbeiter*innen der Volksbühne mit einem offenen Brief an das Abgeordnetenhaus und formulierten darin ihre Zweifel an dem neuen Konzept der „Volksbühne Berlin“. Befürchtet wurde u.a, dass die Umstrukturierung der Volksbühne von einem Produktionshaus in eine Gastspielstätte zu einer Nichtauslastung der Gewerke führen könnte. Als sich auf politischer Ebene kein Einlenken abzeichnete, wendete sich eine Gruppe von Mitarbeiter*innen im Januar 2017 an die Besetzer*innen des ISW der Humboldt Universität. Dieses erste Treffen gab den Impuls für die Gründung des Kollektivs Staub zu Glitzer, das sich ausschließlich mit der Causa Volksbühne befassen und einen Interventionsplan erarbeiten wollte.

B6112 steht für die Notwendigkeit staatlich subventionierter Stadttheater zur Gewährleistung freier künstlerischer Arbeit. Dafür ist der Erhalt des Eigenproduktionsbetriebs und somit der Werkstätten der Volksbühne unabdingbar. B6112 ist kein fertiges Stadttheaterkonzept. Als
Inszenierung stellt es den Rahmen dar für die Entwicklung und Erprobung kollektiver Entschei-
dungsprozesse und somit der ­Enthierarchisierung des Theaterbetriebs.

Die Konzeptentwicklung kann nur in engem Austausch mit der bestehenden Mitarbeiter*innenschaft erfolgen. Dafür ist es notwendig, dass alle interessierten Mitarbeiter*innen stunden- oder tageweise für die aktive Teilnahme an B6112 freigestellt werden. B6112 soll nicht zu einer Mehrfachbelastung führen.

Eine Arbeitsgruppe wird sich ausschließlich mit der Partizipation der Mitarbeiter*innen im Findungsprozess einer kollektiven Intendanz befassen. Schon im September 2017 wurde während B6112 größten Wert auf die Kooperation mit der Belegschaft gelegt. Mit einem Arbeitsrechtler arbeitete Staub zu Glitzer 2017 im Vorfeld ein Informationspapier für die Mitarbeiter*innen der Volksbühne aus.

Damit sie ihre eigenen Anstellungsverhältnisse nicht gefährden, rieten wir ihnen, sich in der Öffentlichkeit nicht positiv zu B6112 zu äußern. Zunächst sollten sie Rücksprache mit ihrem Arbeitgeber halten. Eine positive Äußerung hätte ggf. als betriebsschädigendes Verhalten interpretiert werden und Anlass zur Kündigung sein können. Unserem Wunsch, eine Vollversammlung einzuberufen, wurde nicht stattgegeben. Stattdessen moderierte der Intendant eine Versammlung mit Teilen der Mitarbeiter*innenschaft unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Vertreter*innen des Kultursenats und der Senatsverwaltung waren ebenfalls anwesend. Nur Festangestellten wurde ein Rederecht auf dieser Versammlung gewährt. Welche konkreten Personen vom Rederecht ausgenommen waren, wurde nicht mitgeteilt. Eine geheime, schriftliche Abstimmung zu B6112 wurde nicht genehmigt.

Diese Broschüre ist auch Ausdruck der Hoffnung, dass die umfängliche Kommunikation mit den Mitarbeiter*innen nicht erneut unterbunden oder reglementiert wird. In der Fortsetzung B6112s geht es schließlich um die Zukunft der Volksbühne und die langfristige Sicherung von Arbeitsplätzen.