Plenum & Infopoint

Ein unverzichtbares Element der Inszenierung B6112 ist das tägliche Plenum, die Versammlung der Bevölkerung. Für das Plenum wird vorerst eine Zeit von zwei Stunden festgesetzt. Bei B6112 ist das Plenum kein beschlussfähiges Gremium oder Organ. Es dient dem Austausch von aktiven und passiven Partizipierenden oder in Arbeitsgruppen Organisierten mit Interessierten.

Es ist ein Ort des Dissens oder Zuspruchs, der Diskussion und der Fragestellung. Im Plenum sollen Delegierte der Arbeitsgruppen die Gelegenheit haben, ihre Arbeitsergebnisse vorzustellen und sich ggf. zu bestimmten Fragestellungen ein Stimmungsbild einzuholen oder ihre Argumente öffentlich zu prüfen.

Im Plenum wird eine quotierte Redeliste eingeführt, um eine Geschlechtergerechtigkeit in Bezug auf Länge und Anzahl von Redebeiträgen herzustellen. Diese Maßnahme erfolgt aufgrund der Erfahrung, dass Frauen in öffentlichen und privaten Gesprächen in der Regel ein wesentlich geringerer Redeanteil zugebilligt wird. Eine Quotierung kann erfolgen, indem Frauen und Männer abwechselnd sprechen dürfen und, wenn sich länger keine Frau ge-
meldet hat, eine Frau im Falle einer Meldung sofort vorgezogen wird, auch wenn die Redner*innenliste bereits länger ist.

Warum das Plenum keine Entscheidungen trifft: Unsere Erfahrungen während B6112 im Jahr 2017 haben gezeigt, dass das Plenum von zahlreichen Interessengruppen unterwandert und gestört wurde.

Stimmungsmachende wurden platziert, die sich weder an die Redeliste, noch an die vereinbarten Achtsamkeitsregeln hielten. Außerdem glaubten Menschen, die sich ansonsten weder im Haus engagierten noch Dienste übernahmen oder in Arbeitsgruppen mitwirkten, sie könnten trotzdem über den Fortgang von B6112 mit entscheiden.

Dies ist nicht der Fall. Im Plenum soll ihnen aber die Gelegenheit gegeben werden, ihre Meinung zu äußern und Argumente aufzuführen. Den Arbeitsgruppen steht es dann frei, im Plenum debattierte Punkte in ihre Arbeit einfließen zu lassen. Beleidigungen, Schmähungen und andere verbale Gewaltakte während des Plenums führen zum Ausschluss. B6112 steht für ein friedliches Für- und Miteinander. Konflikte sind stets erlaubt, nur der Rahmen ihrer Austragung wird vorgegeben, da erfahrungsgemäß Menschen, die sich bedroht fühlen, nicht wiederkommen.

In B6112 sollen auch die Schüchternen und Langsamen, die Stillen und Höflichen, die Introvertierten und Ängstlichen die Möglichkeit zur Teilnahme haben. Es gilt, Werkzeuge zu entwickeln, wie insbesondere diese Menschen zur Teilnahme motiviert werden können.

Während der Dauer von B6112 an der Volksbühne wird ein Infopoint als Anlaufstelle für Gäste und AG-Anwärter*innen eingerichtet werden. Wer zum ersten Mal in das Kunstwerk B6112 in der Volksbühne eintritt, kann hier alle Eckdaten zum Kunstwerk, dem Kollektiv und seinen Zielen bekommen.

Hier liegen Informationen aus zu den bestehenden AGen, ihren Arbeitsergebnissen und wie man den AGen beitreten kann. Wer eine neue AG gründen möchte, erhält hier die betreffenden Informationen. Wer zwar keine Kapazitäten hat einer AG beizutreten, aber gern helfen möchte, kann hier erfragen, welche spontane Unterstützung benötigt wird.