Theaterkonferenz

Bei B6112 steht auch die Thematisierung prekärer Beschäftigungsverhältnisse an deutschen Theatern im Fokus. Fehlende stabile soziale Absicherung gehen einher mit Konkurrenz, Machtmissbrauch und Entsolidarisierung. Wir planen ein Format, in dem Politiker*innen, Jurist*innen, Gewerkschafter*innen und Arbeiter*innen aufeinandertreffen, um zu diskutieren und sich für Transparenz, Mitbestimmung und eine Verbesserung der Produktionsbedingungen zu engagieren.

Kunstschaffende und Initiativen aus der Stadt werden sich mit anderen Akteur*innen vernetzen können, um für bessere Arbeitsbedingungen am Theater und für eine gerechtere Bezahlung zu ­kämpfen. Unterbezahlung, Altersarmut, Mindest-Gagen und Nicht-Verlängerungen (wie im NV-Vertrag unter §42 Nichtverlängerungsmitteilung geregelt) werden genauso Thema sein wie Zeitdruck, unbezahlte Proben, künstlerische Mitbestimmung und Geschlechtergerechtigkeit.

„Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.”

Während langfristige Festanstellungen unter Künstler*innen immer seltener wurden, stieg die Zahl der prekär Beschäftigten in den vergangenen Jahren um bis zu 39% an. Wie steht es mit Probenzeiträumen und Kinderbetreuung? Die Optionen für Veranstaltungsformate reichen von Bildungsarbeit, Workshops, Tagungen, bis hin zu mehrtägigen Konferenzen. Eigenfinanzierungsquoten und Auslastungszahlen dürfen und werden die Kunst nicht bestimmen. Auch die Personalpolitik an deutschen Bühnen wird Thema bei Auseinandersetzungen sein.

Solange weiße Schauspieler*innen für alle, auch für schwarze Rollen, geeignet sind, schwarze Schauspieler*innen hingegen nur für schwarze Rollen, gilt es, den institutionellen und strukturellen Rassismus im Theaterbetrieb zu bekämpfen und sich dafür einzusetzen, ihn zu beenden. Dies gilt im Übrigen auf und hinter der Bühne. Bei René Pollesch heißt es „(…) keine Rolle spielt, ob unsere besten Freunde Migranten sind, wenn wir Hamlet, damit er ‚richtig‘ verstanden werden kann, nicht mit einem Schwarzen besetzen.“ Die Prämissen zur Verbesserung der Produktionsbedingungen betreffen sowohl die Arbeit am Stadt- und Staatstheater als auch die „freie Szene“.

Viele Beschäftigte arbeiten seit der 2003 in Kraft getretenen Zusammenführung von NV Solo, NV Chor/Tanz, BTT und BTTL mit NV-Verträgen unter prekären Bedingungen. Beschäftigte unter einem TVöD, einem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes, sind deutlich besser gestellt.
Dass immer mehr Tontechniker*innen, Beleuchter*innen oder Bühnenhandwerker*innen, Maskenbildner*innen, Kostümbildner*innen und Verwaltungsfachangestellte einer „überwiegend künstlerischen Tätigkeit“ nachgehen, bedeutet nichts anderes, als dass auch sie Verträge mit geringem sozialen Schutz, einer dauerhaften, sachgrundlosen Befristung und Arbeitszeitregelungen eingehen müssen. Die bisherigen tariflichen Standards der technisch
Beschäftigten werden somit unterlaufen.

Es existieren bereits zahlreiche Initiativen und Vereine, die sich dem Thema widmen. Vom 4. – 6. Mai 2018 fand z.B. am Schauspiel Bochum die 3. Bundesweite Ensembleversammlung statt.
Der Anstieg der Mindest-Gage auf 2000 Euro für Solo-Künstler*innen und Bühnentechniker*innen an dt. Stadt- und Staatstheatern ist ein Tropfen auf den heißen Stein.
Wie wäre es mit gleichem Gehalt und sicheren Beschäftigungsverhältnissen für alle? Wir berufen uns auf Artikel 5, Absatz 1 und 3 des Grundgesetzes und verstehen das„Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten“als grundlegende Voraussetzung für künstlerisches Arbeiten: „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. (…) Eine Zensur findet nicht statt.“